6. Januar 2010

Foto: © Pro Natura / Nicolas J. Vereecken
Die Langhornbiene ist bei unserern schweizer Nachbarn das Tier des Jahres 2010
Pro Natura hat die Langhornbiene zum Tier des Jahres 2010 gewählt. Die «pelzigen Pollentaxis» zählen zu den rund 580 Wildbienenarten in der Schweiz und stehen für die unglaubliche Vielfalt der wertvollen Wildbienen. Das Tier des Jahres 2010 macht auch auf die Millionen von «unsichtbaren» Insekten aufmerksam, die unsere Lebensgrundlagen – die Biodiversität – aufrecht erhalten.
Mit ihrem besonderen Pelz und den langen Fühlern fällt das Tier des Jahres 2010 auf unter den Wildbienen. Besonders ist auch die spezielle Liebe der Langhornbienen zur Hummel-Ragwurz, eine Orchideen-Art: Die Langhornbienen sorgen für die Bestäubung dieser Orchideen-Art. Die Pflanze imitiert dabei den Geruch und die Form eines Langhornbienen-Weibchens und drückt beim vermeintlich amourösen Besuch dem Bienen-Männchen ihre Pollen auf den Kopf. Mit diesem Paket fliegt das
Männchen als «Pollentaxi» weiter und bestäubt ungewollt eine nächste Hummel-Ragwurz. Diese hochspezialisierte Abhängigkeit ist ein eindrückliches Beispiel für die fragilen Wechselwirkungen der
Biodiversität (siehe Box). Dieses Verständnis will Pro Natura mit der Wahl der Langhornbiene und mit ihrer Kampagne «Biodiversität – jede Art zählt!» der Bevölkerung vermitteln.
Für Millionen von «unsichtbaren» Arbeiterinnen Die Wahl der Langhornbiene zum Tier des Jahres 2010 betont die Bedeutung der Millionen «unsichtbaren» Insekten für die Biodiversität – die Lebensgrundlage für uns alle. 45 Prozent aller Wildbienen stehen in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten und bedrohten Arten. Die Bestäubung von Pflanzen ist eine unbezahlbare Dienstleistung aller Wildbienen. Verschwinden diese fleissigen Summer, verarmt die Vielfalt der Pflanzen und mit ihr die Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier.
Die Lebensräume der Wildbienen sind bedroht
Die Wildbienen brauchen geeignete Lebensräume für die Nahrungssuche und die Fortpflanzung: Die summenden Insekten leben auf Trockenwiesen und -weiden, Brachen, in Kiesgruben oder in Obstgärten.
Besonders wichtig für das Überleben der Wildbienen in der Schweiz sind Lebensräume mit lockerer Vegetation. Denn rund die Hälfte aller Arten – so auch die Langhornbienen – bauen ihre Nester in den Boden. Solche Lebensräume sind in unserer aufgeräumten und überbauten Landschaft am Verschwinden – auch die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Totalherbiziden raubt den Bienen Nahrung
und Nistplätze. Wildbienenschutz ist daher in erster Linie Biotopschutz, aber auch Landschaftsschutz. Für beides macht sich Pro Natura nicht nur in diesem Jahr stark.
Steckbrief der Langhornbiene
Die Langhornbienen (z.B. Eucera nigrescens) fallen auf unter den Wildbienen, auch wenn sie nur
13-16 Millimeter lang sind: Ihre Fühler («Hörner») sind so lang wie ihr Körper und sie haben einen pelzigen Rücken. Sie fliegen etwa von Mitte März bis Anfang August. Für die Nahrungssuche sind Langhornbienen auf die Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütler angewiesen. Das sind Pflanzen wie der Wundklee, die Wiesenplatterbse oder die Zaunwicke. Daher findet man das Tier des Jahres 2010 vor allem auf artenreichen Trockenwiesen, in Hochstamm-Obstgärten oder in Lehmgruben.
Die Langhornbienen kommen in der ganzen Schweiz (ausser im östlichen Graubünden) vor, meist unterhalb von 700 m.ü.M. In der Schweiz leben rund 580 Wildbienenarten. Weltweit sind sogar 16000 Arten nachgewiesen.
Knapp die Hälfte aller Wildbienenarten in der Schweiz sind auf der Roten Liste der gefährdeten oder bedrohten Arten. Langhornbiene (Eucera) ist ein Gattungsname und somit Sammelbegriff für mehrere Eucera-Arten. Je nach Literatur ist die Rede von 4 bis 9 Eucera-Arten in der Schweiz.
Im Gegensatz zu ihren Verwandten, der bekannten Honigbienen, leben praktisch alle Wildbienen einzelgängerisch. Honigbienen sind in Staaten organisiert.
13. März 2009
Förderverein Frommenhausen e.V. gewinnt Naturschutz-Preis
Bereits zum 20. mal führte der Zwiefalter Naturfonds, eine Initiative der Zwiefalter Klosterbräu, Familie Baader, einen Wettbewerb durch. 1989 fand die erste Ausschreibung statt und seither konnten 130 ehrenamtliche Gruppen mit insgesamt € 60.000,-- unterstützt werden. Für das Jahr 2008 wurden mehr als 30 Bewerbungen eingereicht, aus denen die neutrale Jury 8 Preisträger auswählte. Zu den Preisträgern zählte der Förderverein Rottenburg-Frommenhausen, der 50.000 baubiologisch einwandfreie Sozialwohnungen in bester Waldrandlage für sein Wappentier die Wildbiene schuf.


9. März 2009
Einige Mauerbienen-Arten haben sich auf leere Schneckenhäuser als Nistunterkunft spezialisiert. Wir starten dieses Frühjahr mit Nisthilfen aus Schneckenhäusern in Frommenhausen (Bodenseeschnecke) einen Test. Über Erfolge oder Mißerfolge gibt es dann hier Näheres später zu lesen.
3. Januar 2009

Häuschen für den Forschernachwuchs im Kindergarten: Heinz Wütz hat die Feiertage genützt, um ein kleines Hochhaus für den Frommenhausener Kindergarten zu fertigen. Noch zwei, drei Monate — und die ersten Wildbienen werden in die neuen Nisthilfen einziehen können.
10. September 2008
Ausnahmsweise mal etwas in Sachen Honigbiene:
Mit Prinz Charles aktiv werden für eine GVO- und Pestizid -freie Landwirtschaft
Prinz Charles kritisiert Agro-Gentechnik und industrielle Landwirtschaft. Imkerverbände weltweit rufen ihre Mitglieder auf seine Position mit einem Glas Honig zu unterstützen. Auch Honigkunden und Naturschutzorganisationen sollen mitmachen!
In einem Interview der Zeitung "Daily Telegraph" äußerte Prinz Charles scharfe Kritik an der Agro-Gentechnik und an den Exzessen der industriellen Landwirtschaft. Als Imker freuen wir uns, dass sich Prinz Charles so klar für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft ausspricht.
Die Aussagen des englischen Thronfolgers sind keineswegs weltfremd, sie decken sich mit den Erfahrungen und Beobachtung von Imkern weltweit. Bienen und Imkerei sind durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft mit Pestiziden und gentechnisch veränderten Pflanzen in ihrer Existenz gefährdet. Wir sehen uns auch im Einklang mit dem Aufruf des Uno-Landwirtschaftsrates (IAASTD), der ähnlich dem Weltklimarat, im April 2008 zu einer grundlegenden Wende in der Agrarpolitik aufrief.
Die Äußerungen von Prinz Charles wurden von der Gentechnik-Lobby kritisiert und verunglimpft. Deshalb hat sich eine Reihe von Imkerverbänden entschlossen, ihm in dieser Debatte öffentlichkeitswirksam den Rücken zu stärken. Weltweit senden Imker nun ein Glas Honig als Ausdruck ihrer Unterstützung an Prince Charles. Diese Aktion wurde mit seinen Mitarbeitern besprochen. Prinz Charles freut sich darauf, der Presse den Honig aus der ganzen Welt zu zeigen. Der Honig wird karitativen Zwecken zugeführt.
Hier können Sie sich eintragen, wenn Sie bei der Aktion mitmachen
Wer bei der Aktion mitmacht, kann sich im Internet in die Teilnehmerliste eintragen. Honigkunden können regionalen Honig kaufen, ihn an Prinz Charles schicken und sich ebenfalls in die Teilnehmerliste eintragen. Lokale Imkervereine, Imkerverbände sowie Naturschutzorganisationen sollen für die Aktion werben und sich in die Liste für Organisationen eintragen. In die Listen kann ein Bild des Honigglases oder ein Logo eingestellt werden.
Wer teilnimmt, sende seinen Honig auf dem normalen Postweg (kein Kurierdienst) an die folgende Adresse:
HRH The Prince of Wales
FAO General Correspondence Secretary
Clarence House
St James Palace
London SW1A 1BA
Vorschlag für ein Begleitschreiben zum Honig:
Your Royal Highness,
In support of your publicly expressed views on the subject of genetically modified food and industrial farming, we are pleased to send you a sample of honey from our own hives (Honigkunden brauchen nur “our own hives” durch “my regional beekeeper” zu ersetzen).
We hope very much that you will enjoy this gift and thereby be reminded that many, many people share your view that the only acceptable way forward for agriculture is to become more organic, more sustainable and less dependent on synthetic chemicals. Please accept this gift from the bees with our sincerest good wishes.
Yours very truly,
Hier Ihre Unterschrift
08. August 2008
Vielfalt der Arten führt zur Steigerung des Ertrags bei Nutzpflanzen
Göttinger Agrarökologen untersuchen Bestäubung von Kürbispflanzen durch Bienen
(pug) Eine große Artenvielfalt kann zu einer deutlichen Steigerung des Ertrags bei Nutzpflanzen führen. Das haben Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen am Beispiel von Moschuskürbissen im tropischen Indonesien nachgewiesen. Der Agrarökologe Dr. Patrick Höhn hat dazu die Bestäubung der Pflanzen durch Wildbienen untersucht: Danach ist nicht die Gesamtzahl der Bienenindividuen, sondern vor allem eine hohe Anzahl verschiedener Bienenarten von entscheidender Bedeutung für eine Ertragssteigerung beim Kürbisanbau. Biodiversität hat damit einen "ökonomischen Wert", wie der Wissenschaftler betont. Die Ergebnisse dieser Forschungen unter der Leitung von Prof. Dr. Teja Tscharntke wurden in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences" veröffentlicht.
Wie Dr. Höhn erläutert, unterscheiden sich Arten nicht nur morphologisch, sondern auch in ihrem Verhalten. So sind die Bienenspezies nicht zu den gleichen Zeiten aktiv, sie bestäuben die Blüten der Kürbispflanzen in verschiedenen Höhen und verhalten sich beim Bestäubungsvorgang selbst sehr unterschiedlich, wodurch sie sich gegenseitig hinsichtlich der Bestäubungsintensität ergänzen. Die Stärke der Pollenverteilung zwischen den männlichen und weiblichen Kürbispflanzen hat dabei Auswirkungen auf die Samenzahl und die Größe der Kürbisfrüchte. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten im indonesischen Sulawesi hat Dr. Höhn 25 verschiedene Bienenarten als Bestäuber der Moschuskürbisse identifiziert. Die Artenvielfalt hängt dabei ab vom jeweiligen Lebensraum - Regenwald, Agroforstsystem, offenes Grasland - in der Untersuchungsregion.
"Die Funktionen eines Ökosystems sind wesentlich abhängig von der Artenvielfalt. Jeder Eingriff in einen Lebensraum hat Einfluss auf die Artengemeinschaft und damit auch auf die ökosystemaren Dienstleistungen, auf die wir Menschen angewiesen sind", betont der Göttinger Wissenschaftler. "Biodiversität hat damit einen direkten wirtschaftlichen Nutzen, der letzten Endes den Ausschlag geben wird für einen nachhaltigen Schutz der Artenvielfalt."
Originalveröffentlichung:
Patrick Hoehn, Teja Tscharntke, Jason M. Tylianakis and Ingolf Steffan-Dewenter: Functional group diversity of bee pollinators increases crop yield, Proceedings of the Royal Society B (online), doi:10.1098/rspb.2008.0405
27. Mai 2008.
... und die gleiche Nisthilfe in Murrhardt 9 Monate später: fast keine Wohnung mehr frei.
24. Mai 2008.
Wir haben in den letzten Wochen für Euch Anregungen gesammelt und in Bildern dokumentiert, wie Ihr in Euren Gärten Unterkünfte für Wildbienen errichten könntet. Auf der Landesgartenschau in Bad Rappenau findet Ihr übrigens sehr schöne Beispiele von Wildbienenunterkünften; federführend bei der Anlage war hier der Bezirksimkerverein Heilbronn. Hier sind die Fotos von Nisthilfen in vielen Gemeinden entlang des Neckars:









7. August 2007.
Aus Murrhardt kommt die Nachricht von Chapeau, dass es auf dem Hasenhof8 jetzt neben Übernachtungsmöglichkeiten für Jakobspilger auch Wildbienen-unterkünfte gibt. Gastfreundschaft für Mensch und Tier.
Die erste Wildbienenpension hat Chapeau aus Bambusresten und Terracotta-Gießmasse gebastelt.
6. August 2007.
Wieder bei uns im Garten: die blaue Holzbiene.
